21/06/2018

Ausgezeichnete Ideen für mehr Arbeitssicherheit: BG RCI vergibt höchst dotierten Arbeitsschutzpreis in Deutschland

Der "Arbeitsschutz-Oscar" der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und
chemische Industrie (BG RCI) wurde in diesem Jahr zum 21. Mal verliehen. An dem
Wettbewerb 2018 hatten sich deutschlandweit 522 Frauen und Männer mit 225
Beiträgen beteiligt. Für die besten Ideen für eine sichere Arbeitswelt
erhielten 31 Preisträger und Preisträgerinnen aus neun Unternehmen den BG RCI
VISON ZERO Förderpreis. Dieser wurde in acht Kategorien verliehen. Die
Förderpreise sind mit jeweils 10.000 Euro dotiert. Hinzukommen 14
Nominierungsprämien à 1.000 Euro. Im Rahmen der Preisverleihung würdigte
Christian Pfaff, alternierender Vorsitzender der Vertreterversammlung der BG RCI,
die Wettbewerbsteilnehmerinnen und -teilnehmer. Er betonte: "Sie alle haben mit
Ihren Ideen dazu beigetragen, Arbeitsplätze sicherer und gesünder zu machen.
Haben somit menschliches Leid verhindert und damit auch Produktionsausfälle
reduziert und Kosten gespart."

Die Preisträger mit Kurzvorstellung der ausgezeichneten Ideen

Der Förderpreis in der Kategorie Sicherheitstechnik ging an Christian Multhaupt
und Aeilt de Boer von der WEC Turmbau Emden GmbH. Sie haben Stangenaufsätze
entwickelt, mit denen das An- und Abschlagen von Betonfertigteilen an Lasthaken
von Kränen vom Boden aus sicher erfolgen kann. Damit entfallen unfallträchtige
Arbeiten von einer Leiter aus, was zusätzlich eine enorme Zeitersparnis mit
sich gebracht hat.

Bei einem Mitarbeiter der Bielkine Sattlerei in Hannover wurde eine schwere
Latex-Allergie festgestellt. Ein eigens für die Verarbeitung von Latex
ausgewiesener separater Raum war die Lösung. Mit einem verschiebbaren Vorhang
aus Planenmaterial kann jetzt ein Teilbereich "luftdicht" gemacht werden.
Parallel dazu wurden alle latexenthaltenden Materialien luftdicht eingepackt
(komplette Sitze, zu verarbeitendes Material, Restmüll und altes Material). Für
diese Idee erhielten Boris Bielkine, Eike Sören Hempel, Thomas Trautmann,
Daniel Doerler, Yunus-Emre Yanik, Max Kröger, Christiane Sander den Förderpreis
in der Kategorie Kleine und mittelständische Unternehmen (KMU).

Randschleifarbeiten von Parkett werden zumeist kniend oder gehockt mit
handgeführten Schleifmaschinen ausgeführt. Die längerfristige, intensive
Ausübung dieser Tätigkeiten kann zu einer Berufskrankheit führen. Dominic
Kammerer und Rolf Kammerer von der Kammerer GmbH, Remchingen, entwickelten eine
ergonomisch optimierte Schleifmaschine mit geringem Gewicht, die im Stehen
bedient werden kann. Dafür wurden sie mit dem Förderpreis in der Kategorie
Gesundheitsschutz ausgezeichnet.

Bei der EHL AG an den Standorten Kruft, Neu-Bamberg und Kindsbach gibt es
zahlreiche Anlagenteile, die steuerungstechnisch miteinander verkettet sind.
Das macht es bei Instandhaltungsarbeiten schwierig, nur die notwendigen
Anlagenteile sicher abzuschalten, ohne gleich den gesamten Prozess zu
unterbrechen. Andreas Schlemmer, Michael Egartner, Sven Schimbold und Andreas
Kaczmarczyk entwickelten daher eine interaktive Übungstafel zur praxisnahen
Schulung. Für diese Unterweisungsidee gab es den Förderpreis in der Kategorie
Organisation.

Wenn bei Lkw die Spanngurte reißen und sich dadurch die Ladung verschiebt, kann
im schlimmsten Fall das Fahrzeug umkippen oder die Ladung herausgeschleudert
werden. Thorald Keim, Mario Schmidtchen und Heinz-Günter Schwarzkopf von der
Fabri Planen GmbH & Co. KG, Finnentrop, entwickelten ein Stahlband, das zur
Verstärkung in die Plane integriert wird und solche Unfälle vermeiden soll. Für
dieses TÜV-geprüfte Produkt gab es den Förderpreis in der Kategorie
Verkehrssicherheit.

Beim Transportieren von Rohren und Wellen mit einem Gabelstapler besteht die
Gefahr, dass die zu transportierenden Teile bei Kurvenfahrten, beim Bremsen
oder beim Überfahren von Bodenunebenheiten unkontrolliert herunterfallen. Die
Auszubildenden der Schaefer Kalk GmbH & Co. KG, Werk Hahnstätten,entwickelten
eine Haltevorrichtung für Wellen und Rohre, die an den Gabelzinken montiert
wird und die Rohre fixiert. Die Auszeichnung in der Kategorie Auszubildende
ging an Ingo Stolzheise, Günter Seelbach, Matthias Schreiner, Jonas Schneider,
Ulrich-Gunnar Dietrich, Jan-Niklas Klein, Tom Kunz und Pascal Kaltwasser.

Gefährliche Schnittverletzungen der Hände an beweglichen und ungeschützten
Teilen von Maschinen der Fleischwirtschaft waren Ausgangspunkt, einen Handschuh
mit einer "eingebauten Kontaktfunktion" zu entwickeln. Durch den Handschuh mit
eingewebten Silberfäden wird die Maschine bei Berührung von gefährlichen
Maschinenteilen gestoppt. Rainer Seiz von der Seiz Industriehandschuhe GmbH,
Metzingen, und Ferdinand Nock von der NOCK Maschinenbau GmbH, Friesenheim,
erhielten dafür den Förderpreis in der Kategorie Produkte.

Nur Gefahren, die von der Belegschaft tatsächlich als solche wahrgenommen
werden, können angegangen werden. Das Ziel der Essity Operations Mannheim GmbH
war es daher, die Gefahrenwahrnehmung möglichst vieler Kolleginnen und Kollegen
zu verbessern. Aus diesem Grund wurde ein Training entwickelt, das theoretische
Hintergründe der Gefahrenwahrnehmung und Risikoeinschätzung mit vielen
praktischen Übungen aus dem Arbeitsalltag kombiniert. Dafür erhielten Reiner
Mößner, Fabian Schmitt und Nikolas Götz den Förderpreis in der Kategorie
Präventionskultur.

AplusA-online.de - Quelle: Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse - BG ETEM