20.11.2018

Arbeitsschutz gestern und heute - Mehr Vorsorge und Gesundheitsförderung

Haltungsschäden bei Schneidern, Blei- und Quecksilbervergiftungen bei
Bergarbeitern sowie Augenentzündungen bei Schmieden: Hippokrates, berühmter
Arzt in der Antike, war vermutlich einer der ersten, der mögliche negative
Folgen der Arbeit auflistete. "Passt besser auf" war rund 2000 Jahre später der
Ratschlag an Beschäftigte, mit dem sich Arbeitgeber aus der Verantwortung
zogen, als im Zuge der Industrialisierung vermehrt schwere Arbeitsunfälle
passierten. Seitdem hat sich einiges getan. Das preußische Regulativ von 1839
versuchte, dieser Haltung entgegenzuwirken: Es verpflichtete die Arbeitgeber,
Maßnahmen zum Schutz ihrer Arbeiter zu ergreifen. Noch in demselben Jahrhundert
wurde diese Regelung erweitert. Nunmehr waren auch Angestellte und Beamte vor
arbeitsbedingten Gefahren geschützt. Aus dem Arbeiterschutz war der
Arbeitsschutz geworden.

Das wohl bedeutendste Instrument des modernen Arbeitsschutzes ist das im
Dezember 1974 verabschiedete Arbeitssicherheitsgesetz. Unternehmen sind seitdem
verpflichtet, Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit als Berater zu
bestellen. Erst 1996 wird ein Arbeitsschutzgesetz auf Grundlage europäischer
Richtlinien in deutsches Recht übernommen. Im Unterschied zur früheren
Gesetzgebung erweitert es nicht nur den Spielraum und die Verantwortung des
Arbeitgebers, sondern bietet zusammen mit dem Betriebsverfassungsgesetz den
Betriebsräten sehr weitgehende Mitbestimmungs- und Gestaltungsmöglichkeiten.
Darüber hinaus enthält das Gesetz auch einen Präventionsauftrag: Mittels
Gefährdungsbeurteilungen, darauf basierenden Arbeitsschutzmaßnahmen und deren
Umsetzung, Wirksamkeitskontrolle sowie Dokumentation soll Gesundheitsgefahren
und arbeitsbedingten Erkrankungen vorgebeugt werden.

Der demografische Wandel und seine Auswirkungen auf die Arbeitsmärkte sowie die
wachsende Bedeutung chronischer Erkrankungen machen aktuell eine Neuausrichtung
der Prävention erforderlich.

Mit dem 2015 beschlossenen Präventionsgesetz sollen die Ausgaben zur
Gesundheitsförderung insbesondere in Schulen, Kitas, Pflegeeinrichtun-gen sowie
in kleinen und mittleren Betrieben erweitert werden. Vorsorge und
Gesundheitsförderung sollen dort greifen, wo Menschen leben, lernen und
arbeiten. Das Gesetz sieht eine noch stärkere Einbindung der Betriebsärzte bei
betrieblichen Präventions- und Gesundheitsförderungsprogrammen vor, denn der
Arbeitsplatz wird als das ideale Umfeld betrachtet, um Menschen für das Thema
Vorsorge zu sensibilisieren.

AplusA-online.de - Quelle: B·A·D Gesundheitsvorsorge und Sicherheitstechnik GmbH