19.07.2018

Arbeitsschutz: Der ganzheitliche Ansatz der neuen ISO 45001 - Mitarbeiter von Fremdfirmen im Fokus

Die deutsche Version der ISO 45001:2018-06 für Arbeitssicherheits- und
Gesundheitsschutz ist erschienen / Oft übersehener Risikofaktor: Beschäftigte
von Fremdfirmen

Die Veröffentlichung der Norm DIN ISO 45001:2018-06 ist der Startschuss für
alle Unternehmen, die die internationale Norm nutzen wollen, um ein
Arbeitsschutzmanagementsystem (A&GS) zu implementieren und sich damit von der
Konkurrenz abzusetzen.

Zwar führt die ISO 45001 im Wesentlichen die meisten Anforderungen der BS OHSAS
18001:2007 fort, folgt aber dennoch einem noch umfassenderen, ganzheitlichen
Ansatz. So auch bei der Personengruppe, die immer im Mittelpunkt eines A&GS
steht: den Beschäftigten.

Ob aus Verantwortungsgefühl, zur Erfüllung von Auflagen, als Marktvorteil, zur
Absicherung gegen Fachkräftemangel oder demographische Effekte: Beim
Implementieren eines A&GS geht um den Schutz, die Gesundheit und den Erhalt der
Arbeitskraft von Beschäftigten.

Wer ist der "Beschäftigte" im Sinne der ISO 45001?

Die BS OHSAS 18001 erwähnt den "Beschäftigten/Arbeiter" zwar an drei bis vier
Stellen, definiert aber nicht, wer genau zu den Beschäftigten zählt.

Viel umfassender und detaillierter behandelt die ISO 45001 dieses Thema. Unter
3.3 wird der "Beschäftigte" als eine Person definiert, "die Arbeit oder
arbeitsbezogene Tätigkeiten ausführt, die im Einflussbereich der Organisation
(3.1) stehen". Das bedeutet: nicht nur der eigene Angestellte ist zu beachten,
sondern auch explizit Leiharbeitnehmer, Arbeiter mit Werkverträgen,
Saisonarbeiter, (Unter-) Auftragnehmer und (externe) Dienstleister. Darüber
hinaus müssen alle Hierachrchieebenen im Tätigkeitsbereich mit einbezogen
werden - vom Geschäftsführer bis zum Praktikanten.

Dass externe Dienstleister aus dem Blickwinkel der Arbeitssicherheit nicht
immer die nötige Aufmerksamkeit erhalten, ist hinlänglich bekannt. Dies ist
u.a. ein Grund, weshalb dieses Thema bereits in einschlägigen Anweisungen
betont wird (vgl. DGUV Vorschrift 1, §5). Dennoch ist der Blick über den
Tellerrand nicht für jedes Unternehmen selbstverständlich.

Laut Einschätzung der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) sind jedoch
Externe deutlich häufiger an (teils schweren) Arbeitsunfällen beteiligt als
Stammbeschäftigte (bis Faktor 2,5 höher).


Geändertes Herangehen in der ISO 45001

Die ISO 45001 nähert sich diesem Themenkomplex, indem
• frühzeitig Bedürfnisse und Anforderungen von Fremdfirmen zu ermitteln sind
• die eigenen Beschäftigten bei Outsourcing bzw. Beschaffung externer
Dienstleistungen konsultiert werden
• Externe bei der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigt werden
• ein Prozess zur Kommunikation mit Fremdfirmen (bzgl. des A&GS) implementiert
wird, um bereits im Vorfeld über die vorhandenen Risiken zu informieren
• die Themen Beschaffung und Koordinierung hinsichtlich dieses Ansatzes
erweitert werden (Kapitel 8.1.4.2 und 8.1.4)

Besonders im Annex A der Norm werden viele Hilfestellungen zur Umsetzung
benannt. Wenn Sie Leitfäden zu diesem Thema mit stärkerem Praxis- bzw.
Deutschlandbezug suchen, werden Sie mit Sicherheit bei Ihrer
Berufsgenossenschaft (z.B. die BG ETEM) fündig.

Die ISO 45001 ist ein Managementsystem: Es hilft Unternehmen, alle
Anforderungen aus dem Bereich Arbeitssicherheit zu bündeln und zu steuern. Es
erleichtert Arbeitgebern, durch systematisches Herangehen, Unternehmerpflichten
zu erfüllen und die korrekte Pflichtenübertragung nachzuweisen. So ist ein
zertifiziertes A&GS-Managementsystem ein wirkungsvolles Instrument, um die
Arbeitssicherheit zu erhöhen, Unfälle nach Möglichkeit zu vermeiden und
Vorstände und Geschäftsführer in Schadensfällen zu entlasten.

AplusA-online.de - Quelle: GUTcert GmbH