23.08.2018

70 Prozent der Baustellen in Nordrhein-Westfalen mit Sicherheitsmängeln!

Die Arbeitsschutzverwaltung in Nordrhein-Westfalen (ASV NRW)
hat im Rahmen einer Schwerpunktaktion innerhalb von sechs Wochen mehr als 400
Baustellen überprüft und dabei teils eklatante Mängel festgestellt. Der Fokus
der Aktion lag auf Baustellen mit hoher Absturzgefährdung, wie beim Hochbau oder
der Dach- und Fassadensanierung. Hier kommt es sehr häufig zu schweren oder sogar
tödlichen Absturzunfällen.

Knapp 70 Prozent der Gerüste auf den besichtigten Baustellen wiesen Mängel auf.
In knapp zwei Dritteln der Fälle war der Seitenschutz unvollständig und fehlte
sogar ganz. In der Hälfte der Fälle war der Wandabstand zu groß und ein Drittel
der Gerüste war nicht richtig verankert. Auch Auffangeinrichtungen wie zum
Beispiel Netze bei Dacharbeiten waren häufig mangelhaft (auf 17 Prozent der
Baustellen). Die Arbeitsschützer haben daher die Gerüste entweder ganz oder in
den betroffenen Teilbereichen gesperrt und die Beseitigung der Mängel direkt
vor Ort veranlasst.

Eine sehr hohe Absturzgefahr besteht jedoch nicht nur bei Arbeiten auf einem
Gerüst, sondern auch an oder in einem Gebäude. So wurde in 80 Prozent der Fälle
mangelhafte Absturzsicherung in diesem Bereich festgestellt. Konkret waren
jeweils bei einem Drittel der Baustellen die Treppen, Wandöffnungen,
Bodenöffnungen oder die oberen Etagen (Decken) eines Rohbaus unzureichend
abgesichert. Die sogenannten Verkehrswege etwa über Baugruben oder Übergänge
zwischen Gebäudeteilen waren in 40 Prozent der Fälle zu beanstanden. Auch hier
war die erste Maßnahme der Arbeitsschützer die Sperrung der betroffenen
Arbeitsbereiche bis zur Beseitigung der Mängel, die in der Regel direkt vor Ort
veranlasst worden ist.

In 16 Prozent der Fälle waren die Mängel so eklatant, dass diese ein Bußgeld
nach sich ziehen werden. In Einzelfällen wurden auch Verstöße gegen das
Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz festgestellt, was an die zuständigen Behörden
weitergegeben worden ist.

"Auch wenn wir im Moment viel über Digitalisierung und virtuelle Arbeitswelten
reden, dürfen wir nicht vergessen: Es gibt noch viele körperlich
herausfordernde und potenziell gefährliche Tätigkeiten, auf die wir für den
wirtschaftlichen Erfolg unseres Landes dringend angewiesen sind", so Arbeits-
und Arbeitsschutzminister Karl-Josef Laumann. "Leider kommt es in bestimmten
Branchen immer wieder zu schweren Unfällen. Dies gilt gerade auf Baustellen,
die wir uns deshalb bewusst für unsere erste Schwerpunktaktion 2018 ausgewählt
haben." Laumann: "Angesichts des hohen Zeitdrucks, den der gegenwärtige Bauboom
auslöst, muss der Schutz von Gesundheit und Leben der Beschäftigten auf den
Baustellen oberste Priorität haben."

AplusA-online.de - Quelle: Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen