18.04.2017

"Lasst uns auch die Partikel zählen" - KEMPER GmbH stellt Grenzwertbemessung infrage

Arbeitsplatzgrenzwerte (AGW) sorgten das letzte Mal für Aufsehen, als der
erlaubte Höchstwert für alveolengängige Stäube in Deutschland um mehr als 60
Prozent auf 1,25 mg/m³ sank. Das war 2014 - bis 2018 gilt eine Übergangsfrist
zur Einhaltung dieses Grenzwertes. Dort, wo der Gesetzgeber nicht nur
hierzulande Grenzwerte bestimmt, ist die Bemessung in der Regel nach Gewicht
festgelegt. Prüfkommissionen, in Deutschland ist das Berufsgenossenschaft (BG)
Holz und Metall, richten sich bei der Überwachung von Arbeitsschutzmaßnahmen
nach den gesetzeskonformen AGW.



Allerdings ist nicht nur in der Wissenschaft inzwischen eine Diskussion über
die Effektivität der Gewichtsbemessung entbrannt. Auch die KEMPER GmbH, Pionier
im Bereich Luftreinhaltetechnik, zweifelt die gängige Praxis an: "Unter dem
Radar der Grenzwerte tummeln sich die eigentlichen Gefahren für die Gesundheit
der Mitarbeiter", sagt Geschäftsführer Björn Kemper. Bei wenigen groben
Staubpartikeln kann der Grenzwert bereits schnell überschritten sein. Im
Gegensatz dazu bleiben Millionen von kleinsten Feinstaubpartikeln im
Nanobereich aufgrund ihres geringen Gewichts unter dem Grenzwert - mit fatalen
Folgen: "Vor allem die ultrafeinen Feinstaubpartikel machen Mitarbeiter in der
Produktion krank." Aktuelle Studien belegen*, dass Feinstaub für ein erhöhtes
Herzinfarktrisiko ursächlich ist, Demenz fördert, Krebs hervorruft oder sogar
zum Tod führen kann. Die Weltgesundheitsorganisation stuft Feinstaub als
direkten Verursacher von Lungenkrebs ein.



KEMPER plädiert daher dafür, die gängige Praxis bei Feinstaubmessungen zu
erweitern: "Lasst uns auch die Partikel zählen", appelliert Björn Kemper. Der
technische Fortschritt begünstige diese Sichtweise. Heute sind Messsysteme in
der Lage, die Feinstaubkonzentration bis in den Nanobereich zu messen und die
Anzahl auszuweisen. Auch bei BG-Messungen ermitteln die Prüfer die im
Atembereich des Schweißers gemessene Anzahl an Partikeln - und rechnen sie in
einem zweiten Schritt zu der aktuell maßgeblichen Gewichtsangabe hoch. Dass
moderne Absauganlagen und Filtersysteme den Großteil von Nanopartikeln aus der
kontaminierten Luft abscheiden, zeigt, dass die Technik heute beim Feinstaub
schon einen Schritt weiter ist als der Gesetzgeber.



Zusätzliche Relevanz erhält die KEMPER-Sichtweise auch beim Blick auf neue
scheinbar emissionsarme Schweißverfahren: "Es ist richtig: Im sichtbaren
Bereich nimmt die Schweißrauchmenge subjektiv gesehen ab", erklärt Kemper.
"Messungen ergeben aber immer wieder, dass die Anzahl der Feinstaubpartikel und
damit die Gefahr für die Gesundheit der Mitarbeiter ansteigt."

AplusA-online.de - Quelle: KEMPER GmbH