10/01/2019

"Ich will wieder arbeiten gehen" - Querschnittsgelähmter steuert 25-Tonnen-Radlader

Innerhalb von Sekunden hat sich das Leben von Rafael Spitz radikal verändert:
Auf dem Weg zur Arbeit kam sein Auto vor drei Jahren auf vereister Straße ins
Schleudern und überschlug sich mehrfach. Nach der Akutversorgung mit Operation
und erster Reha stand fest: Der Vater von drei eigenen und drei Stiefkindern
bleibt aufgrund seiner Verletzungen an der Wirbelsäule querschnittsgelähmt und
auf einen Rollstuhl angewiesen. Doch der 46-jährige Straßenbauer ließ sich
nicht unterkriegen. Schon kurz nach dem Unfall war für ihn klar: "Ich will
wieder arbeiten". Am liebsten wollte er das als Fahrer eines
25-Tonnen-Radladers machen. Auf diesem Weg wird Spitz von der
Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) unterstützt.

"Nach schweren Arbeitsunfällen oder Berufskrankheiten bleiben häufig
gesundheitliche Einschränkungen zurück. Die medizinische, berufliche und
soziale Rehabilitation gehört zu den Kernkompetenzen der BG BAU", sagte
Klaus-Richard Bergmann, Hauptgeschäftsführer der BG BAU.
"Berufsgenossenschaftliche Kliniken und Reha-Manager der BG BAU ermöglichen
vielen schwerverletzten Versicherten ins Arbeitsleben zurückzukehren und wieder
am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen", so Bergmann weiter. Insgesamt 28.000
Reha-Fälle hat die BG BAU allein im Jahr 2017 abgeschlossen.

So ging es auch Rafael Spitz: Von Anfang an - schon in der Zeit, als Spitz in
der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik Tübingen mit allen geeigneten
Mitteln versorgt wurde - informierte ihn die BG BAU persönlich über mögliche
Unterstützungsmöglichkeiten, wie ein individuell angepasstes Auto, einen
zweiten Rollstuhl für sportliche Aktivitäten oder einen behindertengerechten
Umbau des Wohnhauses. "Die Reha-Manager der BG BAU", so Bergmann, "erstellen
Rehabilitationspläne und koordinieren in Absprache mit Ärzten, Arbeitgebern und
Verletzten alle Aktivitäten bis hin zur Genesung und einer beruflichen sowie
sozialen Wiedereingliederung".

Mit einer Liftanlage kommt Spitz jetzt bequem in sein Wohnhaus und er wird
künftig mit einem zusätzlichen Lift auch ungehindert in seinen Keller gelangen
können. Zudem ist er auch finanziell voll abgesichert: Nach dem Verletztengeld
und Übergangsgeld bezieht er neben dem Pflegegeld seit Ende Mai eine
Unfallrente von der BG BAU.

Doch Spitz möchte so selbständig leben, wie möglich. "Und dazu gehört für mich
auch der Job", sagt der seit über 20 Jahren mit Baumaschinen vertraute
Straßenbauer. Daher suchte sein Reha-Manager, Stefan Kalkbrenner, für Spitz
einen Weg zurück ins Berufsleben, der seiner Lei­stungsfähigkeit und Nei­gung
entspricht. Im Verlauf eines Vorbereitungslehrgangs und einer Umschulung im
Bereich Uhren und Schmuck wurde schnell klar, dass nichts anderes die
Leidenschaft für seine frühere Arbeit als Baumaschinenführer im Straßenbau
ersetzen kann.

Und weil die Wiederaufnahme der bisherigen beruflichen Tätigkeit Vorrang hat,
nahm die BG BAU gern das Angebot des früheren Arbeitgebers an, Spitz einen
Einsatz als Radlader-Fahrer zu ermöglichen. Der behindertengerechte Umbau der
25 Tonnen schweren Baumaschine wurde in die Wege geleitet. Das war der erste
Sonderumbau dieser Art. Nach einem Probelauf, bei dem der Querschnittsgelähmte
alle notwendigen Arbeiten mit der Baumaschine erledigen konnte, stand der
erneuten Beschäftigung in seinem Wunschberuf nichts mehr im Weg. "Mein
Grundgedanke war, wer Auto fährt, kann auch eine Baumaschine bedienen", sagt
Spitz. Mit einem Speziallift kommt er regelmäßig in die Fahrerkabine, an einem
elektronischen Zuggerät kann er seinen Rollstuhl festmachen und Gas und Bremse
des Radlader steuert er nun mit einem Joystick. So kann Spitz wieder in vollem
Umfang berufstätig sein.

AplusA-online.de - Quelle: Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft- BG Bau