Prioritäten für den Arbeitsschutz von morgen

Institut für Arbeitsschutz der DGUV identifiziert Trends für Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten

Ein Forschungsthema des Risikoobservatoriums ist die Verbesserung des Arbeitsschutzes an mobilen Arbeitsplätzen. Foto: gpointstudio - fotolia.com

Arbeitsverdichtung, demographischer Wandel und Digitalisierung sind die dringlichsten Themen, wenn es um den Arbeitsschutz der Zukunft geht. Zu diesem Fazit kommt eine groß angelegte Befragung des Instituts für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) von 400 Arbeitsschutzfachleuten. Ein weiteres Ergebnis: Auch nicht arbeitsbezogene Gesundheitsthemen wie falsche Ernährung und bewegungsarmes Freizeitverhalten betreffen die Arbeitsfähigkeit der Erwerbstätigen erheblich und fordern den Arbeitsschutz künftig heraus.

Die Arbeitswelt verändert sich immer schneller. Menschen und Prozesse sind global vernetzt. Der internationale Wettbewerb erhöht den Druck auf die Unternehmen und der Altersdurchschnitt der Erwerbsbevölkerung steigt. Was bedeuten diese Rahmenbedingungen für die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten? Gibt es neue Quellen für Unfälle und Gesundheitsgefährdungen?

Um neue Risiken frühzeitig zu erkennen, hat die gesetzliche Unfallversicherung ein so genanntes Risikoobservatorium beim IFA eingerichtet. Es basiert auf einer Befragung von 400 Aufsichtspersonen der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen. Diese speziell ausgebildeten Fachleute sind in Sachen Arbeitsschutz in Betrieben und Einrichtungen unterwegs und kennen die Bedingungen der Arbeitswelt. "Wir wollen mit Hilfe dieses Instruments aktiv werden, bevor uns Arbeitsunfälle, Berufskrankheiten und gesundheitliche Beschwerden unmissverständlich zu verstehen geben, dass es da ein neues Problem gibt", sagt Professor Dietmar Reinert, Projektleiter und Direktor des IFA. Seien die Folgen des Wandels ermittelt, könnten auch entsprechende Prioritäten in der Prävention gesetzt werden.

Für die aktuelle Auswertung haben die Aufsichtspersonen 93 Entwicklungen und deren Relevanz für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit bewertet. Die anschließende Auswertung im IFA wurde durch Literaturrecherchen zu Risiken und praktischen Schutzmaßnahmen ergänzt. "Nun wissen wir zum ersten Mal verbindlich und wissenschaftlich fundiert, welche Themen allen Unfallversicherungsträgern gleichermaßen unter den Nägeln brennen und damit das Gros der Beschäftigten betreffen", sagt Dr. Joachim Breuer, Hauptgeschäftsführer der DGUV. Dass Themen wie Arbeitsverdichtung, alternde Belegschaften und zunehmende Digitalisierung genannt wurden, sei keine große Überraschung. "Dass wir aber unter den Top 10 alte Bekannte wie Lärm haben, durchaus. Und dass unsere Mitglieder auch Handlungsbedarf in Bereichen sehen, auf die die Unfallversicherung keinen direkten Einfluss hat, nämlich Ernährung und Freizeitverhalten."

Die zehn Top-Trends, die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten besonders beeinträchtigen können, und die dafür vom IFA empfohlenen Präventionsmaßnahmen bilden die Grundlage für konkrete DGUV-Aktionen. Projektchef Reinert: "Wir haben beispielsweise bereits eine Reihe von Forschungsthemen aus dem Risikoobservatorium in unsere Forschungsförderung eingebracht, wie die Verbesserung des Arbeitsschutzes an mobilen Arbeitsplätzen, wie man bei der Büroarbeit zu mehr Bewegung kommen kann oder wo sich Datenbrillen sinnvoll und ergonomisch bei der Arbeit nutzen lassen." Auch bei Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen werde man sich an den Ergebnissen orientieren.

Hintergrund:

Das Risikoobservatorium (RO) der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) ist ein Instrument zur frühzeitigen Ermittlung von Präventionsschwerpunkten. Es liefert Ergebnisse für die nähere Zukunft (Fünfjahres-Horizont). Es ist ein Projekt des Institutes für Arbeitsschutz der DGUV (IFA), das die Methodik entwickelt hat und das Observatorium betreibt.

Das RO basiert auf einer alle fünf Jahre stattfindenden Befragung von 400 Aufsichtspersonen der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen.Um sicherzugehen, dass die Einschätzung der Aufsichtspersonen nicht signifikant von der betrieblicher Arbeitsschutzfachleute abweicht, hat das IFA eine Evaluation durchgeführt. Dabei wurden 700 Fachkräfte für Arbeitssicherheit über die Online-Plattform www.sifa-community.de befragt. Drei Viertel aller Befragten bestätigten die Beobachtungen der Aufsichtspersonen.