Das war der Tag der Rückengesundheit 2016 bei Opel in Rüsselsheim

Fachleute tauschen sich über Ergonomie und alter(n)s-gerechte Arbeitsgestaltung im industriellen Umfeld aus

„Ergonomie im Spannungsfeld von Kostendruck und Demographie“ war das Motto einer Expertentagung bei der Adam Opel AG in Rüsselsheim anlässlich des Tags der Rückengesundheit. (Foto: © Opel)

Die Kooperationsveranstaltung unter Schirmherrschaft der Aktion Gesunder Rücken (AGR) e.V. war ein voller Erfolg: Experten aus Wissenschaft und Praxis, Ergonomie-Berater, Arbeitssicherheitsfachkräfte, Produktexperten und viele weitere Teilnehmer aus Industrie, Wirtschaft und Verwaltung waren der Einladung ins Opel-Werk Rüsselsheim gefolgt, um sich über die aktuellen Herausforderungen einer ergonomischen Gestaltung von Industriearbeitsplätzen auszutauschen. Ein Höhepunkt der Veranstaltung war die Führung durch die Endmontage im Werk, bei der sich die Gäste von der praktischen Umsetzung ergonomischer Prinzipien bei der Arbeit überzeugen konnten.

„Ergonomie im Spannungsfeld von Kostendruck und Demographie“ war das Motto einer Expertentagung bei der Adam Opel AG in Rüsselsheim anlässlich des 15. Tags der Rückengesundheit am 15.03.2016. Die Unternehmen Dauphin HumanDesign Group GmbH & Co. KG, Herbert Waldmann GmbH & Co. KG, Item Industrietechnik GmbH und Wiha Werkzeuge GmbH hatten zu der Informationsveranstaltung geladen, um Fachleute aus Wissenschaft und Praxis für einen Austausch über die aktuellen Herausforderungen der Arbeitsgestaltung zusammenzubringen. Die Schirmherrschaft hatte die Aktion Gesunder Rücken (AGR) e.V. übernommen, die sich seit 1995 für die Bekämpfung der Volkskrankheit Rückenschmerzen engagiert.

Aktuelle Fragen der Arbeitsgestaltung

Wie lässt sich Arbeit im industriellen Umfeld angesichts des demo-graphischen Wandels körpergerecht und effizient gestalten? Wie verändern sich die Anforderungen an einen ergonomischen Arbeitsplatz mit steigendem Lebensalter? Mit welchen Produkten und Lösungen statten Unternehmen Arbeitsplätze in Montage und Fertigung nutzergerecht aus? Wie gelingt es, die Mitarbeiter zu einem gesundheitsfördernden Verhalten zu bewegen? Das waren nur einige der zentralen Fragen der Veranstaltung. Den Rahmen lieferte ein praxisnahes Vortragsprogramm, durch das Susanne Weber führte. Die ausgebildete Physiotherapeutin und Ergonomie-Beraterin der Dauphin HumanDesign Group ist aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung bestens mit den aktuellen Herausforderungen vertraut, die sich Unternehmen derzeit rund um das Thema alter(n)sgerechtes Arbeiten stellen.

Bei der Programmgestaltung hatten die Veranstalter bewusst auf ausreichend Freiraum für den Austausch untereinander geachtet. So gab es nach jedem Vortrag Zeit für Fragen und angeregte Diskussionen. Großzügig geplante Pausen ermöglichten individuelle Gespräche zwischen Teilnehmern, Referenten und den Produktexperten der Dauphin HumanDesign Group, von Waldmann, Item Industrietechnik und Wiha Werkzeuge. Die Hersteller unterstützen eine körpergerechte Arbeitsplatzgestaltung mit Produkten, deren hohe ergonomische Qualität das renommierte Gütesiegel der Aktion Gesunder Rücken bestätigt.

Praxisorientierte Vorträge

Prof. Dr. Martin Schmauder, Professor für Arbeitswissenschaft an der TU Dresden und Mitglied im Ausschuss für Arbeitsstätten sowie für Betriebssicherheit des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, führte zunächst in das Thema „Ergonomie am Montagearbeitsplatz“ ein. Er erläuterte Grundlagen und Methoden der Gestaltung und Bewertung von Arbeitsplätzen unter Berücksichtigung von Demographieaspekten. Dabei ging er auch darauf ein, dass den sieben Verschwendungsarten der klassischen „Lean-Production“-Lehre (darunter Wartezeiten oder Fehler), die auf einen möglichst effizienten Einsatz von Produktionsfaktoren zielt, eine achte Art hinzuzufügen sei: die ergonomische Verschwendung. Diese Ein-schätzung, die auf Unternehmensseite immer mehr Beachtung findet, basiert auf der Erkenntnis, dass ein Mitarbeiter produktiver ist, wenn er sein Leistungspotential an einem ergonomischen Arbeitsplatz ausschöpfen kann.

Der Sportwissenschaftler und Mitglied des Direktoriums des Bundesverbandes deutscher Rückenschulen (BdR) e.V. Ulrich Kuhnt legte einen Schwerpunkt seines Praxisvortrags „Ergonomie in der Produktion“ auf das Zusammenspiel von Verhaltens- und Verhältnisprävention. Er zeigte anhand von Best-Practice-Beispielen auf, wie Unternehmen Mitarbeiter in die Betriebliche Gesundheitsförderung einbeziehen können. In diesem Bereich sieht der Experte noch Verbesserungspotentiale in Unternehmen. Abgerundet wurde sein Beitrag durch ein kurzes Bewegungsprogramm für die Teilnehmer. Denn – darin waren sich die Referenten einig – Bewegung tut gut. Eine wirkungsvolle Rückenprävention gestaltet Belastungen ausgewogen und Bewegungen körpergerecht. Dabei geht es aber nicht darum, körperliche Anstrengungen völlig zu vermeiden. Statische Tätigkeiten sind vor diesem Hintergrund besonders schädlich.

Die Referenten der Adam Opel AG schilderten dann die Bedeutung des Themas Ergonomie für ihr Unternehmen. Jürgen Kaltbeitzel, Ergonomiebeauftragter des Werks Rüsselsheim, erläuterte die Ergonomieprozesse in der Fertigung: von typischen Belastungen im Automobilbau sowie der Altersstruktur im Werk und deren Auswirkungen bis hin zu konkreten Maßnahmen und Tools. Der Ergonomiebeauftragte führte die Teilnehmer auch durch die Endmontage der Automobilfertigung und zeigte das zuvor Geschilderte in der praktischen Anwendung im Opel-Werk. Neben der Produktionsergonomie spielt auch die Produktergonomie eine wichtige Rolle bei Opel. Rainer Grünen, Globaler Senior Experte für die Querschnittsfunktion Ergonomie bei Opel, legte dar, wie das Unternehmen körpergerechte, von der AGR zertifizierte Fahrzeugsitze entwickelt.

Zur weiteren Kenntnis: der „Tag der Rückengesundheit“

Der 15. März ist jährlich der „Tag der Rückengesundheit“. Der Bundesverband deutscher Rückenschulen und die Aktion Gesunder Rücken organisieren jedes Jahr eine Reihe von Veranstaltungen an diesem Aktionstag, um besondere Aufmerksamkeit auf das Thema Rückengesundheit zu lenken. Die Dauphin HumanDesign Group engagierte sich in den vergangenen Jahren wiederholt mit eigenständigen Kampagnen, um insbesondere die Rückenprävention am Arbeitsplatz zu fördern.

Zur weiteren Kenntnis: AGR-zertifizierte Produkte

Die Aktion Gesunder Rücken e.V. engagiert sich seit der Vereinsgründung im Jahr 1995 im Kampf gegen das Volksleiden Rückenbeschwerden, fördert die Forschung in diesem Bereich und informiert Betroffene. Das AGR-Gütesiegel „Geprüft & empfohlen“ gilt als seriöse Entscheidungshilfe bei der Anschaffung von rückengerechten Produkten für Arbeitsplatz und Alltag. Aufgrund der strengen Prüfkriterien und der interdisziplinären Besetzung der Zertifizierungskommission genießt das AGR-Gütesiegel hohe Akzeptanz. So wurde es vom unabhängigen Testmagazin Öko-Test mit „sehr gut“ beurteilt und auch der Bundesverband „Die Verbraucher Initiative e.V.“ bestätigt: Das AGR-Gütesiegel ist „Besonders empfehlenswert“.