Ambient Intelligence und Arbeitsschutz

Chancen und Risken intelligenter Assistenzsysteme in der Arbeitswelt

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Die rasante Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologie macht vor der Arbeitswelt nicht halt. Schnellere, leistungsfähigere Rechner gepaart mit neuen Materialien - wie zum Beispiel Textilien - eröffnen zukunftsträchtige Wege der Gestaltung von Arbeitsplätzen und Arbeitsmitteln. Kollege Computer kann mittlerweile unterstützen, sichern, überwachen oder Verhalten lenken. Diese neuen Technologien sickern unter dem Begriff Umgebungsintelligenz oder "Ambient Intelligence (AmI)" allmählich in den Arbeitsalltag.

Die aktuelle Entwicklung im Bereich Ambient Intelligence reicht von adaptiven Arbeitsassistenzsystemen wie "Head Mounted Displays" oder Datenbrillen, intelligenter Schutzkleidung, Beleuchtungssystemen und Sicherheitstechnik über persuasive Technologien bis hin zum Datenschutz und anderen rechtlichen Fragen.

Im Mittelpunkt der Vision von Ambient Intelligence - "intelligente Umgebung" - stehen autonome Assistenzsysteme, die sich weitgehend im Hintergrund und ohne herkömmliche Mensch-Maschine-Schnittstelle auf die Bedürfnisse des Nutzers einstellen und den Menschen selbsttätig unterstützen. Wichtig dafür ist eine drahtlose Vernetzung von Alltagsgegenständen und Umgebungen, die mit rechnergestützten Sensoren und Aktuatoren versehen sind.
Beispielhaft für tragbare (wearable) AmI ist intelligente Schutzkleidung für die Feuerwehr. Intelligent, weil in ihr eingepflanzte Sensoren über Funk eine rechnerunterstützte Auswertung der Belastung der Menschen in der Brandbekämpfung zulassen. Außen stehendes Personal kann dadurch in kritischen Situationen frühzeitig eingreifen.

Beispielhaft für AmI sind auch Arbeitsassistenzsysteme, die die Menschen gegenüber Unfällen durch die immer weiter um sich greifenden Roboter am Arbeitsplatz absichern sollen. Mit AmI-gestützter Kameraüberwachung und Warnsystemen im Boden will man hier die Sicherheit der Beschäftigten erhöhen. Dabei geht es der BAuA vor allem um die Frage, ob AmI-basierte Systeme ein Ersatz für den klassischen und bewährten Ansatz eigensicherer Maschinen sein können. Ethik und Fragen der Arbeitsmedizin beschäftigen die BAuA unterdessen bei AmI-basierter Klimaregelung und Lichtsteuerung im Büro. Geprüft wird, wie Gebäudesysteme bei der Klimaregelung auf individuelle Bedürfnisse der Menschen eingehen können. Kritisch ist ebenso die Zunahme von Anteilen blauen Lichts in Büroleuchten, was der Müdigkeit entgegenwirken soll. Die BAuA erforscht, wie stark der normale Tagesrhythmus des Menschen hierdurch gestört wird.

Head Mounted Displays im Einsatz

Auch am Kopf getragene "Head-Mounted Displays" tauchen zunehmend in der Arbeitswelt auf. Diese brillenartigen Kleinstmonitore unterstützen dabei, die Anforderungen an die Gedächtnisleistung zu senken, und helfen auch, wenn in zeitkritischen Situationen schnell zu entscheiden ist.
Insbesondere "Google Glass" hat die Technologie der Datenbrillen ins Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit gerückt. Dabei handelt es sich um am Kopf getragene Displays, die Informationen zur Verfügung stellen. Unter anderem für Tätigkeiten, die eine regelmäßige Informationsaufnahme sowie zwei freie Hände und Mobilität erfordern - beispielhaft ist die industrielle Instandhaltung -, können Datenbrillen Vorteile gegenüber anderen Möglichkeiten der Informationsdarstellung eröffnen.

Die BAuA untersucht die Auswirkung der Langzeitnutzung tragbarer AmI. "Wir wollen die Chancen, die AmI für die Menschen bietet, nutzen und gleichzeitig mögliche negative Wirkungen bereits im Prototypenstadium entdecken und vermeiden helfen, zum Beispiel durch die Entwicklung von Leitlinien", erklärt der wissenschaftliche Leiter des BAuA-Forschungsschwerpunktes, Dr. Armin Windel.

Ergebnisse aus einem Projekt, bei dem Bedingungen des sicheren und beanspruchungsoptimalen Einsatzes von Datenbrillen untersucht werden: Die bislang gewonnenen Erkenntnisse zeigen, dass ein mehrstündiger Einsatz von Datenbrillen beziehungsweise Head Mounted Displays das visuelle System nicht beeinträchtigt. In Experimenten wurden die Auswirkungen des mehrstündigen Tragens von Datenbrillen auf die physische und mentale Beanspruchung untersucht. Im Vergleich mit der Nutzung eines Tablet-PCs oder Wandmonitors fühlten sich die Testpersonen mit der Datenbrille stärker beansprucht und arbeiteten langsamer.