A+A 2015 präsentiert die Corporate Fashion-Trends – Berufs- und Schutzkleidung wird immer modischer

Als weltweit wichtigste Branchenplattform für persönliche Schutzausrüstungen und Schutzkleidung hat die A+A in Düsseldorf in den letzten Jahren auch ihre Position in Bezug auf die Corporate Fashion, also die modisch geprägte Workwear sukzessive verbessern können. Dass sie länderübergreifend mittlerweile zu den wichtigsten Veranstaltungen auch für dieses Teilsegment zählt, davon können sich Fachbesucher aus dem betrieblichen Sicherheitsmanagement, dem Marketing, Fachhandel oder auch aus dem Einkauf von Unternehmen wieder vom 27. bis 30. Oktober überzeugen. Von den fast 1.800 Ausstellern werden allein mindestens 60 Unternehmen Corporate Fashion als ihren speziellen Schwerpunkt „ausflaggen“ und insgesamt gut 180 Aussteller dazu entsprechende Artikel und Services präsentieren. Aktuelle Kollektionen sind auch zu sehen in der A+A Fashion Show in Halle 11 (mit messetäglichen Shows).

Ganz klar zeichnet sich für die Workwear derzeit der Trend ab, dass sie emotionale Botschaften zu senden hat. Funktion bleibt dabei wichtig, aber moderne Workwear muss auch cool aussehen. Sie sollte begehrlich sein – und zwar entkoppelt vom Einsatzgebiet. „Während das Design immer weiter in den Fokus rückt, wird der Preis sekundär“, so die Erfahrung von Joachim Geyer, Firma Kübler in Plüdershausen.

Berufsbekleidung wird also modischer, der angesagten Outdoor-Kleidung immer ähnlicher. Und laut CWS-boco erkennen immer mehr auch kleine und mittlere Unternehmen die Notwendigkeit von Berufskleidung. „Es geht dabei vor allem um den professionellen, einheitlichen Auftritt der Mitarbeiter gegenüber dem Kunden und der Öffentlichkeit. So wird Kompetenz vermittelt“, so Werner Münnich von CWS-boco.

„Stylische, mehrfarbige Bekleidungsteile sind im Trend“, erklärt Joachim Geyer (Kübler) und verweist aber darauf, dass jede Branche ihr eigenes Selbstverständnis habe und damit durch individuelle Entwicklungen geprägt sei. Damit nicht genug. Wichtig sei auch die Durchgängigkeit – das heißt Shorts im Sommer und Wetterjacken im Winter – natürlich alles farblich und optisch aufeinander abgestimmt. Bei Wetterbekleidung gelte „Workwear meets Leisurewear“ – wie zum Beispiel Strickjacken und/ oder Fleece-Softshelljacken, die absolut freizeittauglich sind.

Bei allen modischen Trends und Entwicklungen hin zu mehr Emotionalisierung, nimmt auch die Bedeutung von Schutzkleidung zu. Für immer mehr berufliche Tätigkeiten müssen die Arbeitnehmer Persönliche Schutzausrüstung (PSA) tragen. Persönliche Schutzausrüstung unterliegt strikten Normen, die EU-weit einheitlich geregelt sind. Gerade in diesem Bereich können sich Qualitätsanbieter, wie sie sich zahlreich bei der A+A 2015 präsentieren, gut positionieren. Sie stehen für hochwertige Kleidung mit bestmöglichem Schutz, ansprechendem Design sowie hohem Tragekomfort, die außerdem noch den Anforderungen der industriellen Wäsche gerecht wird.

Funktion in allen Details

Aber es sind auch „Feinheiten“, die die neue Generation von Corporate Fashion ausmachen. Leichte Mischgewebe mit funktionellen Eigenschaften wie schmutz- und wasserabweisenden Appreturen ersetzen zusehends schwere Gewebe. Durch neue Bindungsarten wie beispielsweise dem „Kübler Ripstop-Gewebe“ sind dünnere Materialien heute teilweise sogar strapazierfähiger als herkömmliche. Schnitttechnische Details sind eine verlängerte Jacke sowie Hosen, die hinten höher geschnitten sind, für Anwender, die oft im Knien arbeiten müssen. Taschen an Malerbekleidung sind so konzipiert, dass Pinsel und anderes Werkzeug sicher verstaut, aber gleichzeitig auch leicht zu greifen sind.

Generell ist Warnschutz ein wichtiges Thema. So haben Kwintet, Helly Hansen und andere Workwear-Spezialisten Warnschutz-Linien auf dem Markt etabliert. Die Modelle reichen von Westen, über Parkas und Warnschutzpilotenjacken bis hin zu Bund- und Latzhosen.

Zur neuen Leichtigkeit und zum Warnschutz kommen noch andere Features. Multinorm zum Beispiel, d.h. mit einem Bekleidungseinsatz möglichst viele Gefahren abzudecken (z. B. Schutz vor Feuer, Chemikalien, Hitze und/ oder Störlichtbögen). Was in manchen Branchen als Schutz gefordert ist (hierbei handelt es sich um Persönliche Schutzausrüstung `PSA´, die der Arbeitgeber stellen muss), gilt in anderen Branchen als „add on“. Es wird gerne genommen, muss aber nicht unbedingt zertifiziert sein, so dass ein Kauf auch in kleineren Losgrößen bzw. als Einzelanschaffung finanziell nicht übertrieben ist.

Bei Kübler beispielsweise gibt es die Bekleidungsserie „Safety X“ mit bis zu acht Normen, die im Baukastensystem angeboten werden. So hat der Träger individuell die Möglichkeit, sich abhängig vom Gefährdungspotential seines Arbeitsplatzes optimal zu schützen. Auch Bardusch ist erfolgreich mit seinem „work&protect“ Bekleidungskonzept, das eine optisch durchgängige Kombination aus Workwear und PSA darstellt.

Grün, grün, grün sind immer noch des Gärtners Kleider

Die A+A 2015 wird auch zeigen, dass sich farblich derzeit viel bewegt. Es gibt nicht mehr zwingend die klassische Zuordnung nach Zunft, Innung und Gewerk. Maler kommen zwar weiterhin noch gern in Weiß, Gärtner- und Landschaftsbauer in Grün und Dachdecker in Grau. Und doch wünschen die Firmen zunehmend, dass sich die Unternehmensfarben nicht nur im Logo auf der Kleidung wiederfinden. Unabhängig davon bleibt Blau eine beliebte Farbe, die durchaus auch in hellen Varianten zum Einsatz kommt. Gerne genommen sind auch Erdfarben mit kleineren Gestaltungselementen in Gelb, Orange und Grün sowie Grau-Schwarz-Kombinationen. Der Zweifarben-Look löst unifarbene Bekleidung mehr und mehr ab.

Jeansschnitte bestimmen den modernen Look

Was die Schnittformen anbetrifft, bringt es Matthias von Lilienhoff (Kwintet) auf den Punkt: „Der Bund sitzt tiefer, die Hose ist ein bisschen weiter, hat keine Bundfalte, am besten hat sie einen Jeansschnitt.“ Insgesamt werden Formen und Schnitte immer körpernäher.

So wundert es nicht, dass Damenschnitte an Bedeutung gewinnen. Wer keine speziellen Passformen und Lösungen für Frauen anbietet, so Harald Goost (BP – Bierbaum Proenen), werde dem Arbeitsmarkt nicht gerecht und könne große Unternehmen nicht ausstatten. Die Anforderungen sind allerdings nicht in jeder Branche gleich. In der Gastronomie, Hotellerie, der Lebensmittelindustrie oder dem Gartenbau ist der Frauenanteil immer noch deutlich höher als der Automobilbranche oder bei Dachdeckern. Trotzdem, auch hier brauchen Frauen Kleidung, die ihnen steht und die sie gerne tragen.

Nachhaltigkeit und „value added services“

Kaum einer ist der arbeitenden Bevölkerung, ihrem Schutz und Wohlbefinden näher als die Hersteller von Workwear. So scheint es nur natürlich, dass Nachhaltigkeit eine große Rolle spielt. Kwintet beispielsweise hat sich als erster Arbeitsbekleidungs-Spezialist der FairWear Foundation angeschlossen. Die FairWear Foundation steht für Sozialstandards, die auf Offenheit und Transparenz basieren. Dazu gehören u.a. faire Bezahlung, Verbot von Kinderarbeit, Vereinigungsfreiheit und das Recht auf Kollektivverhandlungen.

CWS boco und Kübler sind unterdessen Mitglied der Business Social Compliance Initiative (BSCI). Das ist eine Non-Profit-Organisation, deren Ziel es ist, sozial verantwortungsvolles Handeln in den weltweiten Zulieferketten europäischer Wirtschaftsunternehmen sicherzustellen und kontinuierlich zu verbessern. In der Regel sind die Produkte von Berufsbekleidungsherstellern zudem schadstoffgeprüft und häufig nach dem „Oeko-Tex“-Standard 100 zertifiziert.

Eine Selbstverständlichkeit sind bei hochwertigen Anbietern auch die Services um das Produkt herum. Typische Leistungen umfassen nach Art eines Baukastensystems spezifische Sonderanfertigungen kompletter Corporate Fashion, diverse Näh- und Patchservices, Dienstleistungen zu Stickemblemen, Direkteinstickungen, Namensemblemen oder auch Reflexaufbringungen.

Und was wird den Markt in Zukunft bewegen? „Nachhaltigkeit und Multifunktionalität“, sagt Thomas Lange, Geschäftsführer von GermanFashion und Mitglied im Messebeirat der A+A. „Nanotechologie wird ein Thema sein“, glaubt Joachim Geyer (Kübler). Industriewäschetauglichkeit bleibt wichtig. „Und natürlich wird das Internet die Vertriebswege der Zukunft noch stärker beeinflussen und verändern“, so Harald Goost (BP).

Gleich, wohin „die Reise geht“, die aktuellen Trends bekommen die Fachbesucher bei der A+A 2015 in Düsseldorf vom 27. – 30. Oktober präsentiert.

Autorenhinweis: Kirsten Rein, freie Fachjournalistin für Mode und technische Textilien (Frankfurt a. M.)